Nachtwind

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Beitrag  Nîvra am 18/9/2012, 23:08



Ein wilder Ritt

Der Wind streicht in sanften Böen durch das dichte Blattwerk der majestätischen Bäume. Die Nachtluft ist kühl und duftgeschwängert. Vereinzelte Regentropfen finden den Weg durch die Baumkronen, deren Geäst sich weit oben zu einem beinahe undurchdringlichen Geflecht zusammen findet. Durch die verschlungenen Wurzeln gluckern schmale Rinnsäle und verlieren sich irgendwo im dichten Unterholz. Es ist noch früh, und allein der Mond taucht den Wald in silbrig-kühles Licht.
Aus der Ferne erklingt ein angestrengtes Schnaufen und das dumpfe Trommeln mächtiger Pfoten auf dem weichen Waldboden. Alarmiert hebt eine Hirschkuh den Kopf und flieht mit langen Sprüngen in dichteres Waldgestrüpp, kurz bevor der massige Körper eines Frostsäblers aus dem Unterholz bricht und mit seinem Reiter nach Norden prescht. Die kräftigen Muskeln spannen sich unter dem gefleckten Fell der Raubkatze und der Reiter - bei näherer Betrachtung eine weibliche Kaldorei - presst den Körper dicht an den ihres Reittieres, den Blick aus verengten Augen aufmerksam voran gerichtet. Es kann nicht mehr weit sein. Sie sind früh aufgebrochen, um Darnassus zum Eintreten der Nacht zu erreichen, und der junge Säbler Khan scheint mittlerweile erschöpft. Nîvra lässt die Raubkatze das Tempo drosseln und sitzt ab, als der zuerst geschmeidige, dann mit Voranschreiten der Stunden immer holpriger werdende Gallopp allmählich in einen langsamen Schritt übergeht. Die Kaldorei folgt dem Säbler mit ungeduldigen Schritten zu einer Lichtung, welche das Mondlicht in einen einladenden Silberglanz taucht. Nîvra schließt die Augen und atmet tief durch. Gerne hätte sie auf die Rast verzichtet, doch Khan brauchte die Pause und auch sie selbst hatte seit einigen Stunden weder gegessen noch getrunken. So lässt sie sich rücklings am gewaltigen Stamm einer Eiche in den Schneidersitz sinken und beobachtet aus halbgeschlossenen Augen, wie der junge Frostsäbler im Unterholz verschwindet. Er wird sich die Zeit nehmen die er braucht. Die Kaldorei bindet ihr langes, nachtblaues Haar mit einer routinierten Bewegung zu einem Zopf zusammen und greift nach dem ledernen Trinkschlauch an ihrem Gurt, doch noch bevor sie dazu kommt, die Lippen anzusetzen, lenkt eine große, dunkle Gestalt, die sie aus dem Augenwinkel wahrnimmt, ihre Aufmerksamkeit auf sich. Für gewöhnlich hört man erst, bevor man sieht - doch der große Bär, der besonnener Schritte Richtung Norden trabt, scheint auf dem feucht-weichen Waldboden kaum ein Geräusch zu hinterlassen. Als Nîvra die auffälligen Zeichnungen im Fell des vermeintlichen Tieres erkennt ist sie mit einem Satz auf den Beinen.
"Warte!" ruft sie und nähert sich dem Bären eilig, der langsam im Schritt innehält und den gewaltigen Kopf in ihre Richtung schwenkt. Die stürmische, offensichtlich noch junge Kaldorei mit dem leicht zerzausten Zopf scheint sein Missfallen zu erregen, und Nîvra holt rasch die versäumte, respektvolle Verneigung nach. "Cenarius A'dore. Ich...bist Du auf dem Weg nach Darnassus?"
Der Bär lässt sich Zeit, mustert sein Gegenüber aus zusammen gekniffenen Augen. Die ledrige Nase zuckt missbilligend.
Schließlich lässt er sich dazu herab, mit dem Kopf zu rucken. Die junge Kaldorei atmet tief durch und entblößt beim Lächeln die spitz zulaufenden Eckzähne, die ihr ein verschmitztes Aussehen verleihen. "Ich bin auf der Suche nach einem Shan'do. Ich möchte den Weg der Druiden gehen." Nîvra strafft die Körperhaltung zusätzlich zu den Worten und holt aus der ledernen Umhängetasche ein zusammen gerolltes Pergament hervor, welches sie dem Bären unter die Nase hält.
"Khan und ich sind lange geritten, und er ist von der Reise vollkommen erschöpft - Wärst Du so gut, dem Zirkelvorsteher meine Bitte zu übergeben?"
Der Bär schnaubt leise und verlagert das Gewicht von der einen Körperseite auf die andere. Er zögert, doch schließlich umfassen seine Kiefer das Pergament vorsichtig und er wendet sich leise brummend ab, um seinen Weg wieder aufzunehmen.
Nîvra atmet erleichtert durch. "Ich danke Dir. En'shu falah-nah." spricht sie leise und wartet noch einen Augenblick, bis der Bär im Unterholz verschwindet. Das hätte schiefgehen können. Ob sie sich wohl richtig verhalten hat? Und ob man ihrer Bitte nachkommen würde?
Khan unterbricht ihren gedanklichen Monolog, indem er sich von hinten an sie heranschleicht und ihr einen gewaltigen Stoß in den Rücken gibt, der sie beinahe das Gleichgewicht verlieren lässt. "Du bist soweit? Dann los - vielleicht erreichen wir Darnassus noch vor dem Thero-shan." Nîvra schwingt sich routiniert auf den Rücken des Säblers und nimmt die Fährte des Bären auf, die sich jedoch schon nach kurzer Zeit im Nichts zu verlieren scheint. "Vermutlich hat er einen anderen Weg gewählt..." murmelt die junge Kaldorei, während der Wald an ihr vorüberzieht und sie mit klopfendem Herzen einer baldigen Antwort harrt.


Hoch oben in den Wipfeln der Bäume blickt der Druide der Reiterin nach.
Ungestüm. Jung. Wild. Sie hat noch so viel zu lernen....
Mit einem Kopfschütteln und einem Schmunzeln auf den Lippen entrollt er das Pergament und überfliegt die ordentlich verfassten Zeilen, die sich zu seiner Verwunderung klar und ohne unnützen Schnörkel vorfinden.

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"Cenarius A'dore,

mein Name ist Nîvra Nachtwind und ich habe mich dazu entschlossen, den Weg der Druiden zu gehen. Da ich um die Beschwerlichkeit und Komplexität dieses Weges weiß, suche ich einen Shan'do, der bereit ist, mich zu unterweisen und zu lehren.
Ich stamme aus Feralas und habe der Gemeinschaft einige Jahre als Kürschnerin und Jägerin gedient. In dieser Zeit lernte ich einiges über die hiesige Tier-und Pflanzenwelt, ich verstehe mich ein wenig im Brauen von Tränken und beherrsche die Grundzüge des Stab-und Speerkampfes. Meine Entscheidung, den Pfad des Cenarius einzuschlagen, beruht auf dem großen Bedürfnis, mehr über die Natur zu erfahren, ihr Gleichgewicht zu verstehen, zu erhalten und sie zu schützen. Doch auch die kämpferischen Aspekte und das Gestaltwandeln erweckt mein Interesse.

Ich hoffe auf eure Unterstützung und bin für jede Art von Hilfe dankbar.
Die nächsten Wochenläufe werde ich in Darnassus verbringen und geduldig einer Antwort harren,

*schwungvoll unterzeichnet*

Nîvra Nachtwind

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Der alte Druide wiegt nachdenklich den Kopf und rollt das Pergament ordentlich zusammen.
Auch wenn er daran zweifelt, dass die junge Kaldorei mit dem Wort "geduldig" tatsächlich etwas anfangen kann, entschließt er sich dazu, das Schreiben in nächster Zeit an Calyon Bärenflanke zu übergeben.


Aussehen und Eigenschaften

Mit zwei Metern und zehn ist Nîvra von relativ durchschnittlicher Größe. Ihr Körperbau ist drahtig und trainiert, an Waden und Oberarmen zeichnen sich unter der glatten, blassblauen Haut schmale Muskelstränge ab, die der Weiblichkeit ihrer Erscheinung allerdings keinen Abbruch tun. Das nachtblaue Haar reicht am Hinterkopf bis zu den Hüften, vorne jedoch ist es bis zu den Schultern kurz geschnitten und wird von zahlreichen Holzperlen geziert. Auch die langen Ohren werden von silbernen Ringen und Steckern geschmückt, während auf beiden Oberarmen Tätowierungen in Form von Säblertatzen - die ihres Frostsäblers Khan, als er noch ein Welpe war, und die seiner Mutter - prangen. Nîvra bevorzugt schlichte, lockere Kleidung wie einfache Stoffroben, wählt für längere Streifzüge durch den Wald allerdings auch gern praktisches und schützendes Lederwerk. Schuhe und Stiefel jedoch vermeidet sie, wenn es möglich ist, und ist somit meist barfuß oder in leichten Sandalen anzutreffen. Das Gesicht der Kaldorei ist schmal und spitz zulaufend, die Konturen jedoch weich und makellos, die Augen schimmern silbrig und blicken offen und neugierig durchs Leben. Die Tätowierungen im Gesicht erinnern an Krallenspuren und heben sich farblich nur geringfügig von der restlichen Haut ab.
Nîvra neigt dazu, alles und jeden zu duzen - zumindest, wenn sie nicht von höherer Stelle in ihre Schranken gewiesen wird. Das liegt keinesfalls an bewusster Unhöflichkeit oder Respektlosigkeit, sondern schlicht und ergreifend daran, dass sie oft schneller spricht als sie denkt und von jugendlichem Übermut beseelt ist, den sie inzwischen allerdings gelernt hat für eine Weile zu unterdrücken.
Sie hasst es, nichts zu tun zu haben und ist am liebsten die ganze Nacht auf den Beinen - oder auf Khans Rücken. Im Wald fühlt sie sich erst wirklich lebendig, sie liebt den Geruch der Natur, ob wohl-oder übelriechend, sie mag die Kälte ebenso wie die Hitze und empfindet auch natürlich verursachten Schmerz bis zu einem gewissen Grad als belebend und paradoxerweise auf eine bestimmte Art und Weise angenehm. Sie ist fasziniert von der Tier-und Pflanzenwelt, fühlt sich jedoch besonders zu Feliden und Caniden hingezogen.
Anderen Völkern begegnet sie neugierig und - ausgenommen der Orcen, Untoten und Goblins - weitestgehend vorurteilsfrei.

Das Frollein hinter Nîvra
...heißt Rebekka, kommt aus Wuppertal und wird bald 23 Jahre alt. Smile
Ich bin seit guten elf Jahren leidenschaftliche online Rollenspielerin, habe bisher allerdings nur Erfahrung mit Ultima Online gemacht, das dem ein oder anderen vielleicht bekannt sein dürfte. WoW habe ich jahrelang gemieden wie das Feuer - aus ganz unterschiedlichen Gründen - und bin nun vor knapp zwei Wochen doch noch draufgestoßen und habe mich dazu entschlossen, es zu versuchen. Nicht zuletzt da eine gute Freundin mir versicherte, dass es doch ganz feines RP auf manchen Realms gibt Very Happy Entsprechend muss ich also zugeben, dass ich trotz jahrelanger RP-Erfahrung nun absoluter Neuling bin, was die gesamte WoW-Lore betrifft. Das ein oder andere habe ich mir selbstverständlich schon durchgelesen, doch ich stoße noch immer recht schnell an meine Grenzen - insbesondere wenn es um die Nachtelfen geht. Ich hoffe, der Einleitungstext war nicht vollkommen abwegig und daneben, und falls doch: Ich bin lernwillig! *g*
Ich bin eigentlich jeden Tag für mehrere Stunden online anzutreffen, an den Wochenenden auch oft mal ein paar Stunden mehr. *pfeif*
Kritik nehme ich gern entgegen und Fragen beantworte ich natürlich auch Smile

Bis dahin also erst einmal vielen, vielen Dank für's Lesen - ist ja doch nicht so wenig geworden...
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Nîvra
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Re: Nachtwind

Beitrag  Gast am 19/9/2012, 03:49

Hey Rebekka.

Toll, das du alles so schnell auf die Beine gestellt hast und -wow- du hast dir wirklich Mühe gegeben. Beeindruckend. Dein Text war durchaus angemessen und schön zu lesen war er alle Mal!
Ich bin froh darüber, dass du dir alles aus unseren Gesprächen zu Herzen genommen und verarbeitet hast...und dir dazu noch soviel angelesen hast anscheinend =)

Alles in allem finde ich das Konzept stimmig und sinnig, sodass für mich nichts gegen dich spräche. Im Gegenteil, ich würde mich freuen wenn wir dich bald live erleben könnten!

Mal sehen, was meine bessere Hälfte dazu sagt (die leider momentan sehr gestresst ist und daher mit Samthandschuhen angefasst wird *Beschützermiene*) und wir werden uns dann zu einem Termin bei dir melden.

Lg, Rose
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